Leitungswasser gehört in Deutschland zu den am strengsten kontrollierten Lebensmitteln. Die Trinkwasserverordnung legt Anforderungen und Grenzwerte fest, die sicherstellen sollen, dass Trinkwasser ohne gesundheitliche Bedenken getrunken werden kann.
Doch was bedeutet ein Grenzwert eigentlich? Ist Wasser automatisch frei von unerwünschten Stoffen, wenn alle Grenzwerte eingehalten werden? Und warum entscheiden sich manche Menschen trotzdem dafür, ihr Trinkwasser zusätzlich zu filtern?
Wir möchten etwas Klarheit in dieses Thema bringen.
Was sind Grenzwerte?
Unser Trinkwasser enthält von Natur aus zahlreiche gelöste Stoffe. Dazu gehören beispielsweise Calcium, Magnesium und andere Mineralstoffe. Gleichzeitig können – abhängig von Herkunft, Umwelt und Wasseraufbereitung – auch unerwünschte Stoffe oder Spuren davon vorkommen.
Die Trinkwasserverordnung enthält deshalb unter anderem Grenzwerte für bestimmte Stoffe und Stoffgruppen, beispielsweise:
- Nitrat
- Blei
- Kupfer
- bestimmte Pflanzenschutzmittel und deren relevante Abbauprodukte
- bestimmte organische Verbindungen
- weitere chemische und mikrobiologische Parameter
Ein Grenzwert beschreibt dabei die Konzentration, die im Trinkwasser für den jeweiligen Parameter nicht überschritten werden darf.
Bedeutet ein Grenzwert, dass ein Stoff bis dahin völlig unbedenklich ist?
Grenzwerte werden auf wissenschaftlicher und regulatorischer Grundlage festgelegt und berücksichtigen gesundheitliche Bewertungen sowie Sicherheitsaspekte. Werden die Anforderungen der Trinkwasserverordnung eingehalten, gilt das Trinkwasser grundsätzlich als für den menschlichen Gebrauch geeignet.
Ein Grenzwert bedeutet jedoch nicht, dass ein Stoff erst oberhalb dieses Wertes vorhanden ist. Viele Stoffe können bereits in deutlich geringeren Konzentrationen nachweisbar sein.
Das ist ein wichtiger Unterschied:
„Unterhalb des Grenzwertes“ bedeutet nicht „nicht vorhanden“.
Moderne Analytik kann heute zahlreiche Substanzen in sehr geringen Konzentrationen nachweisen. Nicht für jede nachweisbare Substanz existiert dabei automatisch ein eigener gesetzlicher Grenzwert.
Wer für sein persönliches Trinkwasser eine möglichst geringe Konzentration gelöster Stoffe und bestimmter unerwünschter Rückstände anstrebt, kann sich deshalb unabhängig von der gesetzlichen Trinkwasserqualität für eine zusätzliche Aufbereitung entscheiden.
Welche Stoffe können im Leitungswasser vorkommen?
Welche Stoffe tatsächlich enthalten sind, hängt stark von der jeweiligen Region und der Wasserquelle ab.
Grundwasser nimmt beispielsweise auf seinem Weg durch unterschiedliche Boden- und Gesteinsschichten Mineralien auf. Landwirtschaft, Industrie und andere Umwelteinflüsse können ebenfalls Auswirkungen auf Rohwasserressourcen haben.
Wasserwerke bereiten das Rohwasser entsprechend den örtlichen Gegebenheiten auf und überwachen die vorgeschriebenen Parameter regelmäßig.
Deshalb kann Leitungswasser in Hamburg eine andere Zusammensetzung und Wasserhärte haben als beispielsweise in München, Karlsruhe oder Berlin – obwohl es überall die gesetzlichen Anforderungen erfüllen muss.
Und was ist mit Medikamentenrückständen, PFAS und Mikroplastik?
In der öffentlichen Diskussion tauchen zunehmend Stoffgruppen auf, die früher kaum im Fokus standen. Dazu gehören beispielsweise Arzneimittelrückstände, PFAS oder Mikroplastik.
Hier ist eine differenzierte Betrachtung wichtig: Nicht jeder Stoff, der mit moderner Messtechnik nachgewiesen werden kann, stellt in der gefundenen Konzentration automatisch ein Gesundheitsrisiko dar.
Gleichzeitig entwickelt sich unser Wissen über Umweltkontaminanten, deren Eintragswege und mögliche langfristige Auswirkungen ständig weiter. Auch die gesetzlichen Anforderungen an Trinkwasser werden deshalb regelmäßig angepasst und weiterentwickelt.
Für Verbraucher bedeutet das: Die gesetzliche Trinkwasserqualität und der persönliche Wunsch nach möglichst weitgehender Reduzierung bestimmter Stoffe sind zwei unterschiedliche Betrachtungsweisen.
Vom Wasserwerk bis zum Wasserhahn
Ein weiterer Punkt wird häufig übersehen: Das Wasserwerk ist nicht die letzte Station des Trinkwassers.
Nachdem das Wasser das öffentliche Versorgungsnetz verlassen hat, fließt es durch die Trinkwasserinstallation eines Gebäudes. Alter, Material und Zustand von Rohren, Armaturen und Installationen können die Wasserqualität am Entnahmepunkt beeinflussen.
Gerade bei älteren Gebäuden kann es deshalb sinnvoll sein zu wissen, welche Rohrmaterialien verbaut wurden. Auch längere Standzeiten des Wassers in der Hausinstallation können eine Rolle spielen.
Die Wasseranalyse des Versorgers beschreibt daher nicht zwangsläufig jeden Einfluss, der auf dem Weg bis zum eigenen Wasserhahn hinzukommt.
Das Thema Hausinstallation ist allerdings umfangreich – deshalb widmen wir ihm einen eigenen Beitrag.
Warum Wasser zusätzlich filtern, wenn es bereits kontrolliert wird?
Eine zusätzliche Wasseraufbereitung bedeutet nicht automatisch, dass das Leitungswasser „schlecht“ oder „gefährlich“ wäre.
Vielmehr geht es um eine persönliche Entscheidung darüber, welche Eigenschaften das eigene Trinkwasser haben soll.
Eine Umkehrosmoseanlage arbeitet mit einer sehr fein trennenden Membran und kann die Konzentration vieler gelöster Stoffe deutlich reduzieren. Dazu gehören – abhängig von Stoff, Anlage und Betriebsbedingungen – beispielsweise Salze, Härtebildner und zahlreiche unerwünschte Inhaltsstoffe.
Das Ergebnis ist ein sehr mineralarmes Ausgangswasser, dessen Zusammensetzung wesentlich weniger von der regionalen Leitungswasserqualität abhängig ist.
Je nach persönlicher Philosophie kann dieses Wasser anschließend direkt verwendet oder beispielsweise gezielt remineralisiert werden.
Kann ich herausfinden, was in meinem Leitungswasser enthalten ist?
Ja. Der erste Ansprechpartner ist der örtliche Wasserversorger. Die Versorger veröffentlichen in der Regel Informationen und Analysen zur Trinkwasserqualität ihres Versorgungsgebietes.
Wer wissen möchte, wie das Wasser tatsächlich am eigenen Wasserhahn beschaffen ist, kann darüber hinaus eine individuelle Wasseranalyse durchführen lassen.
Das kann insbesondere interessant sein, wenn die Hausinstallation älter ist oder konkrete Fragen zur Wasserqualität bestehen.
Unser Fazit
Deutschland verfügt über eine sehr hohe Trinkwasserqualität und umfangreiche gesetzliche Kontrollen. Grenzwerte sind dabei ein wichtiger Bestandteil des gesundheitlichen Verbraucherschutzes.
Gleichzeitig bedeutet die Einhaltung der Grenzwerte nicht, dass Trinkwasser frei von sämtlichen gelösten oder mit moderner Analytik nachweisbaren Stoffen sein muss.
Deshalb gibt es aus unserer Sicht kein „Entweder-oder“:
Man kann Vertrauen in die öffentliche Trinkwasserversorgung haben und sich gleichzeitig dafür entscheiden, das Wasser für den eigenen Trinkgenuss zusätzlich aufzubereiten.
Genau hier setzt unser Ansatz bei wasser-hilft an: Wir möchten informieren und unterschiedliche Möglichkeiten der Wasseraufbereitung verständlich machen – damit jeder selbst entscheiden kann, welches Wasser er täglich trinken möchte.
wasser-hilft – bewusst entscheiden, was ins Glas kommt.